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Worcestersauce weltweit: Henderson’s, Bull-Dog, Pickapeppa & Co.

Von Sheffield über Tokio bis Jamaika: welche Verwandten der Worcestersauce es gibt, wie sie sich unterscheiden und was du davon in Deutschland bekommst.

5 Min. LesezeitHerkunft & Geschichte
Japanisches Tonkatsu mit dicker brauner Sauce und Weißkohl
Inhalt
  1. Henderson’s Relish: Sheffields Antwort ohne Sardellen
  2. Japan: usutā sōsu, Tonkatsu-Sauce und Bull-Dog
  3. Pickapeppa: die Sauce aus Jamaika
  4. USA und Lateinamerika: das gleiche Original, andere Namen
  5. Und sonst? Weitere Verwandte
  6. Was davon bekommst du in Deutschland?
  7. Häufige Fragen

Die Worcestersauce stammt aus England, aber sie ist längst nicht mehr nur englisch. In vielen Ländern haben sich eigene Varianten entwickelt – manche eng am Original, manche mit ganz anderem Charakter. Hier lernst du die wichtigsten Verwandten kennen und erfährst, welche davon du in Deutschland kaufen kannst.

Henderson’s Relish: Sheffields Antwort ohne Sardellen

In Sheffield, im Norden Englands, mischte Henry Henderson im Jahr 1885 die erste Partie seines „Relish“. Zunächst war es ein Nebenprodukt seines Lebensmittelgeschäfts. 1910 verkaufte er das Rezept an einen Hersteller von Pickles und Marmeladen, 1940 übernahm die Familie Hinksman und machte daraus wieder ein eigenständiges Unternehmen. Ab 1991 führte Kenneth Freeman das Unternehmen; unter ihm wuchs der Absatz deutlich. Seit 2013 wird in einer neuen Fabrik in Sheffield produziert, das Rezept kennen nach Firmenangaben nur wenige Familienmitglieder.

Der wichtigste Unterschied zur klassischen Worcestersauce: Henderson’s enthält keine Sardellen und ist deshalb vegan. Die Würze kommt aus Essig, Tamarinde, Cayennepfeffer, Nelken und Knoblauch. In Sheffield ist die Sauce bis heute ein Stück lokaler Identität und wird dort ähnlich vielseitig eingesetzt wie Worcestersauce. Mehr zu Zutaten und Bezugsquellen findest du auf der Seite zu Henderson’s Relish.

Japan: usutā sōsu, Tonkatsu-Sauce und Bull-Dog

In Japan heißt die Sauce usutā sōsu, also schlicht „Worcester-Sauce“. Sie kam als importierte Würze für westliche Gerichte ins Land und wurde dort umgedeutet. Japanische Köche nutzten sie nicht als heimliche Zutat im Topf, sondern als Tischsauce – vor allem für paniertes Fleisch und Frittiertes.

Die japanischen Varianten sind meist auf Basis von Gemüse und Obst gekocht, oft ohne Fisch, und schmecken süßer und fruchtiger als das englische Original. Das japanische Lebensmittelrecht unterscheidet sie sogar nach ihrer Dickflüssigkeit:

  • Worcester-Sauce – dünnflüssig, am nächsten am Original
  • Chūnō-Sauce – mitteldick
  • Nōkō-Sauce – dickflüssig, dazu zählt typischerweise die Tonkatsu-Sauce

Wenn du in einem japanischen Supermarkt vor dem Saucenregal stehst, hilft diese Einteilung beim Einkauf: Von oben nach unten in dieser Liste werden die Saucen dicker. Viele Hersteller bieten alle drei Stufen nebeneinander an, sodass du je nach Gericht die passende Konsistenz wählen kannst.

Ein bekannter Name ist Bull-Dog. Das Unternehmen geht auf einen Lebensmittelgroßhandel zurück, den Kojima Nakasaburo 1902 in Tokio gründete. Wenige Jahre später begann die Firma, selbst Saucen herzustellen; ihr erstes Produkt war eine dickere, süßere Worcester-Sauce nach japanischem Geschmack. Den Bulldoggen-Namen trägt das Unternehmen seit den 1920er-Jahren, nur unterbrochen durch eine Umbenennung während des Krieges. 1951 kam die erste Tonkatsu-Sauce von Bull-Dog auf den Markt. Tonkatsu-Sauce ist dick, fast wie Ketchup, mit Obst und Gemüse – und wird klassisch zum panierten Schweineschnitzel Tonkatsu gereicht.

Pickapeppa: die Sauce aus Jamaika

Die Pickapeppa-Sauce wird seit 1921 in Shooters Hill bei Mandeville im Hochland von Jamaika hergestellt, und zwar bis heute am ursprünglichen Standort. Sie ist eng mit der Worcestersauce verwandt, schmeckt aber anders: Grundlage sind Tomaten, Zwiebeln, Rohrzucker, Zuckerrohressig, Mango, Rosinen und Tamarinde, dazu Pfeffer und Gewürze. Wie das englische Vorbild reift sie – laut Berichten rund ein Jahr in Eichenfässern.

Das Ergebnis ist dicker, süßer und fruchtiger als eine klassische Worcestersauce, mit milder Schärfe. Sardellen stehen nicht auf der bekannten Zutatenliste.

USA und Lateinamerika: das gleiche Original, andere Namen

In die USA kam die Sauce schon 1839, importiert von der New Yorker Familie Duncan. Lea & Perrins ist dort bis heute die bekannteste Marke. Die amerikanische Fassung unterscheidet sich allerdings vom britischen Original: Sie wird mit Branntweinessig statt Malzessig hergestellt. Die typische Papierhülle um die Flasche stammt noch aus der Zeit, als die Flaschen per Schiff aus England kamen.

In Lateinamerika trägt die Sauce Namen, die auf ihre Herkunft verweisen:

LandNameBedeutung
Mexiko, Venezuelasalsa inglesa„englische Sauce“
El Salvadorsalsa inglesa oder salsa Perrinsnach dem Markennamen
Brasilien, Portugalmolho inglês„englische Sauce“
Costa RicaSalsa Lizanoeigene, süßere Sauce auf Gemüsebasis, seit 1920

Auch in Getränken taucht die Sauce weltweit auf – der bekannteste Fall ist die Bloody Mary.

Und sonst? Weitere Verwandte

Die Liste lässt sich fortsetzen. In Thailand gibt es seit 1917 eine Worcester-artige Sauce, die Sojasauce statt Sardellen nutzt. In Australien lebt die alte Birminghamer Marke Holbrook’s weiter. Und in Deutschland hat sich mit der Dresdner Art eine eigene, mildere Linie entwickelt – mehr dazu im Artikel über Worcestersauce in der DDR.

Was davon bekommst du in Deutschland?

Die Auswahl ist kleiner, als man denkt. In unserer Recherche ließen sich folgende Verwandte verlässlich im deutschen Handel nachweisen:

  • Lea & Perrins in der britischen Fassung – zu finden auf der Seite zu Lea & Perrins.
  • Henderson’s Relish aus Sheffield, vegan und ohne Sardellen.

Für Bull-Dog, andere japanische Marken und Pickapeppa konnten wir keinen dauerhaft verfügbaren Bezug in Deutschland belegen. Solche Saucen tauchen gelegentlich bei Importhändlern auf, sind aber nicht verlässlich zu bekommen. Wenn du vor allem eine Sauce ohne Fisch suchst, findest du hier alle Saucen aus unserem Vergleich ohne Sardellen:

Was eine Worcestersauce überhaupt ausmacht, erklärt dir unser Ratgeber Was ist Worcestersauce?.

Häufige Fragen

Ist Henderson’s Relish eine Worcestersauce?

Sie ist eng verwandt, enthält aber keine Sardellen und ist deshalb vegan. In Sheffield wird sie seit 1885 hergestellt.

Was ist der Unterschied zwischen japanischer Worcester-Sauce und Tonkatsu-Sauce?

Beide gehören zur gleichen Familie. Die Worcester-Sauce ist dünnflüssig, Tonkatsu-Sauce dagegen dick und fruchtig und wird vor allem zu paniertem Schweinefleisch gegessen.

Was bedeutet „salsa inglesa“?

„Englische Sauce“. So heißt Worcestersauce zum Beispiel in Mexiko und Venezuela.

Kann ich Pickapeppa oder Bull-Dog in Deutschland kaufen?

Einen dauerhaft verfügbaren Bezug konnten wir nicht belegen. Gelegentlich bieten Importhändler sie an.