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Zutaten-Lexikon: Was in Worcestersauce steckt

Malzessig, Tamarinde, Sardellen, Zuckerkulör & Co.: Was die Zutaten einer Worcestersauce sind, warum sie drin sind und worauf du achten kannst.

5 Min. LesezeitZutaten & Ernährung
Zutaten der Worcestersauce von oben: Tamarinde, Melasse, Sardellen, Malzessig, Schalotten, Knoblauch, Nelken, Piment, Ingwer, Chili, Zitrone
Inhalt
  1. Essig: die Basis
  2. Süße und Fruchtigkeit
  3. Herzhafte Tiefe
  4. Gewürze
  5. Technische Zutaten
  6. So nutzt du das Lexikon beim Einkauf
  7. Häufige Fragen

Eine Zutatenliste auf einer Worcestersauce ist oft länger, als man erwartet. Manche Begriffe sind klar, andere klingen nach Labor. In diesem Lexikon erklären wir dir die häufigsten Zutaten: was sie sind, warum sie in der Sauce landen und worauf du beim Lesen des Etiketts achten kannst.

Ein Hinweis vorab: Die Zutaten stehen auf dem Etikett in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Was vorne steht, macht also den größten Teil aus. Genau diese Reihenfolge nutzt auch unser Würze-Index – wie, erklären wir auf der Seite Methodik.

Essig: die Basis

Bei den meisten Worcestersaucen steht ein Essig an erster oder zweiter Stelle. Er sorgt für die Säure, macht die Sauce haltbar und trägt die übrigen Aromen.

Malzessig

Was ist das? Ein Essig aus gemälztem Getreide, meist Gerste. Aus dem Malz entsteht zunächst eine alkoholische Flüssigkeit, die anschließend zu Essig vergoren wird. Er schmeckt runder und leicht malzig.

Warum in Worcestersauce? Malzessig gehört zur klassischen britischen Rezeptur und prägt deren typisches Profil.

Worauf achten? Gerste zählt zu den glutenhaltigen Getreiden. Malzessig ist deshalb als Allergen zu kennzeichnen. Wenn du Gluten meidest, lohnt der Blick in unseren Ratgeber glutenfreie Worcestersauce.

Branntweinessig

Was ist das? Essig, der aus verdünntem Alkohol landwirtschaftlichen Ursprungs vergoren wird. Er ist klar und geschmacklich neutral.

Warum in Worcestersauce? Viele kontinentaleuropäische Saucen setzen auf Branntweinessig. Er liefert Säure, ohne eigene Noten mitzubringen.

Worauf achten? Getreide, das zur Herstellung von Destillaten einschließlich Ethylalkohol verwendet wird, ist laut Anhang II der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) von der Allergenkennzeichnung ausgenommen. Branntweinessig muss daher nicht als glutenhaltig gekennzeichnet werden.

Süße und Fruchtigkeit

Melasse

Was ist das? Ein dunkler, zähflüssiger Sirup, der bei der Zuckerherstellung aus Zuckerrohr oder Zuckerrüben übrig bleibt.

Warum in Worcestersauce? Melasse bringt Süße, eine leicht bittere Tiefe und dunkle Farbe.

Worauf achten? Melasse ist eine Zuckerart. Zusammen mit Zucker, Glukosesirup oder Invertzucker ergibt sich der Gesamtanteil an Süßungsmitteln, den du in der Nährwerttabelle unter „davon Zucker“ siehst.

Tamarinde

Was ist das? Das Fruchtmark aus den Schoten des Tamarindenbaums. Es ist dunkelbraun, klebrig und schmeckt süßsauer.

Warum in Worcestersauce? Tamarinde ist eine der charakteristischen Zutaten und verleiht die fruchtige Säure. Mehr zur Herkunft findest du in der Geschichte der Worcestersauce.

Worauf achten? Steht Tamarinde in der Liste, ist das ein Hinweis auf eine Rezeptur nahe am Original. Fehlt sie, übernehmen oft andere Fruchtzutaten oder mehr Zucker diese Rolle.

Herzhafte Tiefe

Sardellen

Was ist das? Kleine Salzwasserfische, in Worcestersauce meist als Sardellen oder Sardellenpaste aufgeführt.

Warum in Worcestersauce? Sardellen liefern eine kräftige, herzhafte Note, die man in der fertigen Sauce nicht als „fischig“ wahrnimmt.

Worauf achten? Fisch ist ein kennzeichnungspflichtiges Allergen. Saucen mit Sardellen sind weder vegetarisch noch vegan. Alternativen findest du unter vegane Worcestersauce.

Sojasauce und Tamari

Was ist das? Fermentierte Würzsaucen aus Sojabohnen und Salz, klassische Sojasauce meist zusätzlich mit Weizen. Tamari wird traditionell mit wenig oder ohne Weizen hergestellt.

Warum in Worcestersauce? Vor allem in fischfreien Rezepturen ersetzt Sojasauce einen Teil der herzhaften Tiefe.

Worauf achten? Soja ist ein kennzeichnungspflichtiges Allergen, Weizen ebenso. Ob eine Tamari wirklich weizenfrei ist, verrät nur ihre eigene Zutatenliste.

Zwiebel und Knoblauch

Was ist das? Frisch, getrocknet, als Pulver oder Extrakt.

Warum in Worcestersauce? Beide runden die Sauce ab und verstärken den herzhaften Eindruck.

Worauf achten? Zwiebel und Knoblauch gehören nicht zu den 14 kennzeichnungspflichtigen Hauptallergenen. Sie stehen aber als Zutat in der Liste.

Gewürze

Nelke, Piment und Co.

Was ist das? Typische Gewürze sind Nelke, Piment, Pfeffer, Chili, Ingwer oder Senfsaat. Manche Hersteller fassen sie nur als „Gewürze“ zusammen.

Warum in Worcestersauce? Sie geben die warme, leicht scharfe Würze, die viele mit Worcestersauce verbinden.

Worauf achten? Senf und Sellerie sind kennzeichnungspflichtige Allergene und müssen auch dann hervorgehoben werden, wenn sie Teil einer Gewürzmischung sind. Details dazu stehen in unserem Allergen-Ratgeber.

Technische Zutaten

Zuckerkulör (E150)

Was ist das? Ein Farbstoff, der durch kontrolliertes Erhitzen von Zuckern entsteht. Die EU unterscheidet vier Klassen, E150a bis E150d.

Warum in Worcestersauce? Er sorgt für eine gleichmäßig dunkle Farbe – unabhängig davon, wie viel Melasse oder Tamarinde in der Charge steckt.

Worauf achten? Zuckerkulör ist zugelassen und von der EFSA bewertet. Er trägt aber nichts zum Geschmack bei, deshalb zieht der Würze-Index dafür 12 Punkte ab. Ausführlich: Zuckerkulör E150 erklärt.

Aroma

Was ist das? Ein Sammelbegriff für Stoffe, die Geruch oder Geschmack geben. „Natürliches Aroma“ ist nach EU-Recht an strengere Herkunftsregeln gebunden als „Aroma“ allein.

Warum in Worcestersauce? Aromen gleichen Schwankungen der Rohstoffe aus oder ersetzen teurere Zutaten.

Worauf achten? Die Angabe verrät nicht, welche Stoffe genau gemeint sind. Im Würze-Index kostet eine Aroma-Angabe 7 Punkte, weil sie die Rezeptur weniger nachvollziehbar macht.

Verdickungsmittel

Was ist das? Stoffe wie Xanthan (E415) oder Guarkernmehl (E412), die eine Flüssigkeit sämiger machen. Auch modifizierte Stärke wird eingesetzt.

Warum in Worcestersauce? Klassische Worcestersauce ist dünnflüssig. Verdickungsmittel finden sich eher in Varianten, die dickflüssiger sein oder weniger Bodensatz bilden sollen.

Worauf achten? Sie zeigen, dass die Konsistenz technisch eingestellt wird. Im Würze-Index führen Verdickungsmittel oder Stärke zu 6 Punkten Abzug.

So nutzt du das Lexikon beim Einkauf

  • Erste drei Zutaten lesen: Sie bestimmen den Charakter der Sauce.
  • Zuckerposition prüfen: Steht Zucker sehr weit vorne, ist die Sauce eher süß ausgelegt.
  • Hervorgehobene Wörter beachten: Fett gedruckte oder anders markierte Begriffe sind Allergene.
  • E-Nummern zählen: Sie sind zugelassen, zeigen aber, wie viel technisch nachgeholfen wird.

Wie wir aus diesen Punkten den Würze-Index errechnen, liest du auf der Seite Methodik. Wenn du verstehen willst, wie die Sauce überhaupt entstanden ist, beginne bei Was ist Worcestersauce?

Häufige Fragen

Ist Malzessig glutenhaltig?

Malzessig wird aus Gerstenmalz hergestellt und gilt nach LMIV als glutenhaltiges Getreideerzeugnis. Er muss deshalb als Allergen gekennzeichnet werden.

Warum ist Branntweinessig nicht als Gluten gekennzeichnet?

Getreide, das für alkoholische Destillate einschließlich Ethylalkohol verwendet wird, ist laut LMIV-Anhang II von der Allergenkennzeichnung ausgenommen. Branntweinessig entsteht aus solchem Alkohol.

Schmeckt Worcestersauce wegen der Sardellen nach Fisch?

Sardellen liefern vor allem eine herzhafte Tiefe. Als Allergen müssen sie trotzdem gekennzeichnet werden, und die Sauce ist dann nicht vegetarisch.

Was bedeutet „Aroma“ auf der Zutatenliste?

Es ist ein Sammelbegriff für zugesetzte Geruchs- und Geschmacksstoffe. Welche Stoffe genau gemeint sind, muss der Hersteller nicht angeben.